Die Industrie ist für rund 18 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich – direkt nach der Strom- und Wärmeerzeugung, dem Verkehr und der Landwirtschaft. Die Europäische Union hat sich zugleich das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Frankreich wiederum hat die Stratégie Nationale Bas Carbone (SNBC) ins Leben gerufen, um den Klimawandel zu bekämpfen.
Manche Industriezweige sind besonders energieintensiv, insbesondere die Prozesse der Metallurgie, der Chemie und der Herstellung nichtmetallischer Mineralien (Zement, Kalk, Glas …), die zusammen 69 % der CO2-Emissionen der Industrie verursachen. Die Größe der Herausforderung liegt damit auf der Hand, insbesondere in der Branche Industrie, die eine umfassende Dekarbonisierung angehen muss, um diese Klimaneutralität zu erreichen.
Was ist Klimaneutralität?
Nach der Definition des Europäischen Parlaments ist Klimaneutralität das Gleichgewicht zwischen den Kohlenstoffemissionen und der Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre durch Kohlenstoffsenken.
Klimaneutralität bedeutet also nicht zwingend, dass Treibhausgasemissionen vollständig wegfallen, umfasst aber die Verpflichtung, die eigenen Kohlenstoffemissionen auszugleichen.
Klimaneutralität erfordert zwei gleichzeitige Maßnahmen:
- die Reduzierung der Treibhausgasemissionen,
- den Ausbau der Kohlenstoffsenken.
Dabei handelt es sich um Reservoirs, die atmosphärischen Kohlenstoff durch einen künstlichen oder natürlichen Mechanismus speichern. Die wichtigsten Kohlenstoffsenken sind die Ozeane und die Wälder.
Die Herausforderung dieser Neutralität liegt gerade in diesem Gleichgewicht zwischen den CO2-Emissionen der Industrie auf der einen Seite und der Aufnahme durch Reservoirs auf der anderen.
Die CO2-Bilanz: eine notwendige Diagnose
Um Klimaneutralität zu erreichen, müssen Industrieunternehmen zunächst ihre CO2-Bilanz erstellen. Sie ermöglicht es, den CO2-Fußabdruck von Unternehmen zu beziffern, und wird in CO2-Äquivalenten (Tonnen) ausgedrückt. Diese Einheit setzt voraus, dass die übrigen Treibhausgase der Einfachheit halber in CO2 umgerechnet werden. Die Diagnose zeigt auf, welche Tätigkeiten der Industrie besonders viel CO2 ausstoßen, und bietet die Gelegenheit, sie zu verändern, um die Emissionen zu senken.
Es gibt nicht nur eine Methode zur Erstellung der CO2-Bilanz. Tatsächlich ist es wesentlich, die gesamte Bandbreite der Emissionsquellen der betrachteten Industrie zu berücksichtigen. Um diese Emissionsquellen zu ordnen, hat die ADEME (Agence De l’Environnement et de la Maîtrise de l’Énergie, die französische Agentur für Umwelt und Energiemanagement) drei Kategorien von Treibhausgas-Emissionsfaktoren definiert, die als Scopes 1, 2 und 3 bezeichnet werden. Es gibt somit:
- Scope 1: direkte Emissionen,
- Scope 2: indirekte energiebedingte Emissionen,
- Scope 3: sonstige indirekte Emissionen.
Genauere Anleitungen zur Erstellung der CO2-Bilanz sind direkt auf der Website der ADEME verfügbar.
Lean Green: die Versöhnung von Ökologie und Rentabilität
Die Lean-Philosophie, die in den 1950er-Jahren bei Toyota entstanden ist und inzwischen in den meisten Industriezweigen übernommen wurde, kam in den vergangenen Jahrzehnten in einem Umfeld unbegrenzten Wachstums und des Verbrauchs der planetaren Ressourcen zur Anwendung.
Seit den 1970er-Jahren, als der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change, Weltklimarat) vor der Endlichkeit der Ressourcen und dem laufenden Klimawandel warnte, entwickelt sich Lean stetig weiter, um diese Jagd auf neue CO2-Verschwendung einzubeziehen.
Auch wenn die Leistungssteigerung zentral bleibt, ist die Dringlichkeit so groß, dass diese „CO2-Jagd“ nun Vorrang vor allen anderen Lean-Prinzipien haben muss. In diesem Zusammenhang entsteht und entwickelt sich seit einigen Jahren Lean Green. Im selben Zuge entstehen übrigens weitere Konzepte, etwa die Industrieökologie.
Ökoproduktion bzw. Industrieökologie
Die Ökoproduktion setzt auf eine sparsame Wirtschaft, die sich auf die Konzepte der Optimierung und Rückgewinnung von Stoffströmen, des Lebenszyklus sowie der nachhaltigen Unternehmensführung stützt. Sie beruht auf drei Konzepten:
Diese Konzepte sind zentral im Kampf gegen den Klimawandel geworden und sehr nützlich für Industrieunternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität. Um sie zu erreichen, sehen sich diese Unternehmen inzwischen gezwungen, ihre Praktiken und Nutzungsweisen zu ändern und echte grüne Fabriken einzuführen.
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